
11420 - 11424 Fuchsit
engl. fuchsite, chromian muscovite
Synonyma:
Fuchsit ist eine chromhaltige, grüne Varietät von Muskovit K(Al, Cr)2[(OH, F)2/AlSi3O10]
Lapis-Mineralindex: VIII/H. 10 - 30
Etymologie:
Chemie:
Fuchsit entspricht chemisch weitgehend dem Muskovit. Bis 6 Gew.% Cr2O3
auf Kosten von Al2O3.
Analysen, in Gew.%:
| 1 | 2 | |||
| SiO2 | 44.4 | 45.97 | ||
| TiO2 | 2.1 | |||
| Al2O3 | 44.4 | 45.97 | ||
| Cr2O3 | 2.1 | 4.81 | ||
| Fe2O3 | 2.56 | |||
| FeO | 2.3 | 0.53 | ||
| MgO | 0.7 | 0.31 | ||
| Na2O | 1.1 | 1.03 | ||
| K2O | 10.7 | 9.07 | ||
| H2O | 4.7 | 3.99 | ||
| ferner CaO, MnO | ||||
Ältere Analysen vgl. C. Hintze, H.B. der Mineralogie, Bd II, 1897
Löslichkeit:
Chemisch sehr stabil; wird von Säuren nur bei höheren Temperaturen und Drücken angegriffen.
Nachweise:
Herkunftsbestimmung:
Fuchsit ist auf ganz wenige Paragenesen beschränkt. Herkunftsbestimmung über Begleitminerale,
evtl. Geochemie (Spurenelemente).
Synthese:
Fuchsit: unbekannt
Muskovit: hydrothermal in einem weiten Temperatur- und Druckbereich aus unterschiedlichen Ausgangsmaterialien
im System K2O - Al2O3 -
SiO2 - H2O synthetisierbar.
Physik:
Härte: 2 - 2½
Dichte: 2.8 - 2.9 (etwas höher als Muskovit)
Spaltbarkeit: höchst vollkommen nach (001), Translation parallel dieser Ebene
Bruch: blättrig
Tenazität: milde bis spröde, dünne Blättchen elastisch biegsam
Glanz:
auf Spaltflächen: Perlmuttglanz
schuppige Aggregate: metallisierend
Lichtbrechung: n = 1.56 - 1.61; Pleochroismus blau - gelb-grün - grün
Farbe: smaragdgrün, grasgrün
Chromophore: Cr3+
Temperaturbeständigkeit: Muskovit zerfällt mit steigender Temperatur unter Wasserabgabe in
Sanidin KAlSi3O8 und Korund
Al2O3.
Mindestens bis 700° C ist Muskovit stabil.
Kristallographie:
Morphologie:
Kristallklasse: monoklin-prismatisch 2/m
Achsenverhältnis: a:b:c = 0.574:1:2.221
monokliner Winkel: a = 95°30¢
Formen:
| Pinakoide: | ||
| a {100} | b {010} | c {001} |
| Prismen: | ||
| w1 {011} und weitere | r1 {111} und weitere |
Struktur:
Raumgruppe: C2/c
Fuchsit (Muskovit) ist ein Schicht- (Phyllo-) Silikat. In Richtung der kristallographischen c-Achse folgen
aufeinander:
Doppelschichten, aufgebaut aus:
1. 3/4 Siliziumionen (Si3+) und 1/4 Aluminiumionen (Al3+), tetraedrisch koordiniert von O2- und (OH)--Ionen.
2. Aluminium - resp. Chromionen (Al3+, resp. Cr3+) oktaedrisch koordiniert von O2- und (OH)-.
Zwischen benachbarten Doppelschichten liegen Ebenen mit K+-Ionen, also Tetr.-Okt.-Tetr.-Kalium usw. (....(TOT)K(TOT)K(TOT)....).
Die chemische Bindung innerhalb der Doppelschichten ist wesentlich heteropolar. Zwischen benachbarten Doppelschichten herrscht über die K+-Ionen eine Mischbindung (heteropolar + Van der Waals). In Richtung der c-Achse gesehen erscheinen die einzelnen Schichten hexagonal; die monokline Struktursymmetrie ergibt sich aus der Verschiebung der Doppelschichten gegeneinander. Gleiche Kristallsymmetrie hat der - ebenfalls grüne - Seladonit.
Gitterkonstanten:
| Muskovit | Fuchsit | Seladonit | |
| a0 | 5.19Å | 5.19Å | 5.21Å |
| b0 | 9.04 | 8.99 | 9.02 |
| c0 | 20.08 | 19.98 | 10.27 |
monokliner Winkel: s.o.
d-Werte, rel. Intensitäten:
Muskovit, Fuchsit
Strukturabbildung:
Projektion eines Ausschnitts der Muskovit- (Fuchsit-) Struktur in die Ebene senkrecht zur a-Achse,
also (100) - links - und senkrecht zur b-Achse, also (010) - rechts.
Man erkennt zwei aus (Si, Al)O4-Tetraedern aufgebaute Schichten, symmetrisch verbunden zu einer
Doppelschicht durch Al(O, OH)-Oktaeder. In Richtung der c-Achse gesehen, besitzen sie hexagonale Symmetrie;
die Kristallsymmetrie ist jedoch monoklin, da benachbarte Doppelschichten - durch K+-Ionen verknüpft -
schräg übereinander liegen.
Aufsicht und Querschnitt einer einzelnen Doppelschicht des Muskovit- (Fuchsit- ) Struktur, realisiert im
Phlogopit. Man erkennt die - senkrecht zur Schicht - hexagonale Struktursymmetrie.
Erscheinungsbild:
Kriställchen (selten), blättrig, schuppig, dicht.
Bildungsbedingungen:
Muskovit - generell - ist ein wichtiges gesteinsbildendes Mineral vieler magmatischer Gesteine, insbesondere
saurer magmatischer Tiefengesteine (Granit, Granodiorit, etc.).
Bei der hydrothermalen Umwandlung vieler Silikate (Feldspäte, etc.) entsteht Muskovit als feinkörniger
Sericit.
Bei der Gesteinsmetamorphose entsteht Muskovit in kristallinen Schiefern und Gneisen (Sericitgneise).
Durch Einbau von Cr3+ entsteht - während der Umlagerung des Chrom-Gehalts basischer magmatischer z.B.
Olivin-Gesteine, durch hydrothermale und metamorphe Vorgänge - der grüne Chromglimmer Fuchsit,
welcher meist blättrig, aber auch derb erscheinen kann.
Mariposit ist ein Chromglimmer aus Goldquarzgängen, mit einem etwas niedrigeren Cr2O3- und höherem Al2O3-Gehalt, also eine Varietät der Muskovit-Varietät Fuchsit.
Fundorte:
ferner:
Kulturgeschichte:
Fuchsit besitzt, ausser gelegentlicher Verwendung als Pigment, keine Bedeutung.
Aus Guatemala wird derber Fuchsit zur Herstellung von Artefakten indianischer Frühkulturen erwähnt.
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