
46350 Zinksulfid PW 7
Zinksulfid hat im Gegensatz zu den anderen Weisspigmenten einen leichten Grünstich, der aber praktisch nicht ins Gewicht fällt.
Es entsteht, wenn man Zinkpulver mit Schwefel mischt und erhitzt. Das weiche, feine Pulver, chemische Formel ZnS, ist äusserst stabil und ungiftig. Lediglich mit Säuren oder sauren Medien darf es nicht zusammenkommen, da es sich unter diesem Einfluss zersetzt. Daher kann man Zinksuflid am penetranten Schwefelwasserstoffgeruch erkennen, wenn man es z.B. mit Salzsäure übergiesst.
Ausser in sauren Medien ist Zinksulfid universell einsetzbar, sogar in Wasserglas. Reine Zinksulfidfarbe ist im Handel im allgemeinen nicht erhältlich. Statt dessen trifft man hier die sogenannte "Lithopone" an, welche ein Mischpigment darstellt. Als Sulfidpigment sollte man es nicht mit kupferhaltigen Farben vermischen. Die Töne Heliogenblau (Phthaloblau) und Heliogengrün (Phthalogrün) gelten hier als Ausnahme, da das Kupfer in den komplizierten organischen Molekülen sehr stabil eingebaut ist.
Wer mit reinem Zinkulfid malen möchte, ist gezwungen, sich seine Farbe selber herzustellen, was insofern lohnend ist, als Zinksulfid neben Titanweiss die höchste Deckfähigkeit besitzt. Auch das Aufhellungsvermögen ist bedeutend besser als bei dem Mischpigment "Lithopone", bei Kremserweiss und erst recht bei Zinkweiss. Die Herstellung von Zinksulfidfarbe ist einfacher, als bei anderen Weisspigmenten. Für wässrige Techniken, bei kleinen Mengen sogar in Öl, genügt ein gründliches Anspachteln. Bei der Herstellung von Ölfarbe sollte man das weiche Pigment jedoch mit dem Glasläufer anreiben. Wie bei den anderen Weisspigmenten ist auch hier das weniger gilbende Mohnöl oder Sonnenblumenöl vorzuziehen. Auch wenn ein teil des Öles durch Harzlösung ersetzt wird, sollte man nicht versäumen, einige Tropfen Kobaltsikkativ zuzusetzen, um eine zu lange Trockenphase zu vermeiden.
Historisch ist reines Zinksulfid nicht von Bedeutung, theoretisch könnte es
jedoch frühestens seit etwa 1870, dem Zeitpunkt des Beginns fabrikatorischer Fertigung von Lithopone
verwendet worden sein. Es ist interessant, dass eine so ausgezeichnete Deckfarbe, die auch in
dünnstem Auftrag noch feinste Striche erlaubt, keine Verbreitung finden konnte. Sicherlich mag das
auch mit den zeitgemässen Malstilen, die einen eher kräftigen Farbauftrag aufweisen,
zusammenhängen. Für pastose Malerei genügen in der Tat Weisspigmente mit einem
"normalen" Deckvermögen, wie es bei Lithopone oder anderen gestreckten handelsüblichen
Weisssorten der Fall ist. Im Gegensatz zur Streckung mit billigeren Pigmenten kann zum Beispiel eine
Mischung mit Titanweiss, die eine Verbesserung der Konsistenz bewirkt, sehr sinnvoll sein. Eine
Zumischung von Kremserweiss verbessert die Trocknungseigenschaften. Das Zinksulfid ist chemisch so
stabil, dass der Schwefel dem Blei nichts anhaben kann und somit Schwärzungen ausbleiben.
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