
64520 Salpetersäure 53%, Aqua fortis
engl.: nitric acid
franz.: acide nitrique
Chemische Zusammensetzung : HNO3
Beständigste und wichtigste Sauerstoffsäure des Stickstoffs. In HNO3 ist N elektropositiv fünfwertig. Die Salze dieser Säure heissen Nitrate.
Salpetersäure gehört ebenso wie Salzsäure und Schwefelsäure zu den stärksten Mineralsäuren, verdünnte HNO3 ist nahezu vollständig in Ionen gespalten. Sie ist (besonders in höheren Konzentrationen) ein starkes Oxidationsmittel und oxidiert z.B. Phosphor zu Phosphorsäure, Schwefel zu Schwefelsäure, auch zersetzt sie viele org. Substanzen (z.B. Fleisch, Stärke, Cellulose) durch Oxidation. Deshalb zerstört man org. Stoffe mit Rauchender Salpetersäure, wenn man Metalle nachweisen will.
Alle Metalle mit Ausnahme von Gold, Platin und einigen Platinbegleitmetallen werden von mässig verdünnter, eventuell erwärmter HNO3 unter Entwicklung von braunen Dämpfen (Stickstoffdioxid, NO2) aufgelöst. Einige unedle Metalle werden merkwürdigerweise von konzentriertesten Salpetersäuren nicht angegriffen, so z.B. Eisen, Chrom, Aluminium usw. Man bezeichnet diese Erscheinung als Passivität.
Zahlreiche org. Verbindungen (z.B. Carbolsäure, Toluol, Benzol usw.) geben bei der Reaktion mit HNO3 Wasserstoff ab, der mit OH der HNO3 Wasser bildet, wobei eine NO2-Gruppe ins Molekül eingeführt wird. Die so entstehenden Nitroverbindungen sind vielfach gelb gefärbt (Pikrinsäure, Xanthoproteinsäuren). Daher verursacht HNO3 auf der Haut und auf Wolle dauerhafte Gelbfärbungen ("Xanthopoteinreaktion").
Auf den Organismus wirkt HNO3 sehr nachteilig. Einatmung der Dämpfe führt zu Bronchialkatarrh, Lungenentzündung und Verätzung der Lungenblässchen. Die eingenommene Säure verätzt die Verdauungsorgane. Sie stört schon in starken Verdünnungen die Verdauungstätigkeit. Gegenmassnahmen bei innerlicher Salpetersäurevergiftung: Tricken von verd. Seifenwasser, Magnesia teelöffelweise in Milch verrührt, kein Brechmittel. Gegen Schmerzen im Hals und Rachen Anästhesinbonbons bzw. Morphin. Bei äusserlicher Salpetersäureverätzungen wird mit viel Wasser oder verd., wässriger Alkalilösung (Natron, Soda) gründlich abgespühlt.
Geschichtliches:
Salpetersäure hat man schon um 1300 in Italien durch Erhitzen eine Gemisches aus Salpeter,
Alaun und Kupfervitriol hergestellt.
Die beiden letzten genannten Stoffe lieferten beim Erhitzen etwas Schwefelsäure, die den Salpeter zersetzte.
Im späteren Mittelalter wurde (nach Glauber) die Salpetersäure aus
Schwefelsäure und Salpeter gewonnen.
Lavoisier und Priestley stellten 1784-1786 die Formel der Salpetersäure auf.
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