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Färben mit Cibacron F



(Auszug aus "Färbedreiecke von Karin von Lerber)

Sämtliche Gewebe sollten vor dem Färben entschlichtet und abgekocht sein. Mercerisierte Baumwollgewebe benötigen ca. 40% weniger Farbstoff für eine gleich tiefe Einfärbung als nicht-mercerisierte.

Allgemeines zu Reaktivfarbstoffen:
Das Farbstoffmolekül besitzt eine Reaktivgruppe, die eine chemische Bindung mit der OH-Gruppe der Cellulosefaser eingeht. Dadurch sind die guten Echtheiten bedingt. Durch die reaktive Gruppe ist Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich.

Der Färbeprozess unterteilt sich in die Migrationsphase und in die Fixierungsphase:

Die Migrationsphase kann in Zeit und Temperatur verändert werden, je nach dem wie das Material, die zur Verfügung stehenden Maschinen etc. beschaffen sind. Für unsere Verhältnisse wird empfohlen, auch in der Migrationsphase bei 60° C zu färben.

Die Fixierphase ist jedoch sehr anfällig auf Temparaturschwankungen. Sie beginnt mit der Alkalizugabe (Soda). Bei Abweichungen von der vorgeschriebenen Temperatur (bereits bei 5° C Abweichung!) wird die Endfärbung immer heller: bei zu hoher Temperatur werden Hydrolyse, bei zu niedriger Temperatur wegen ungenügender Fixierung.

Salzzugabe:
Flottenverhältnis über 1:10

Die Menge richtet sich nach der Gesamttiefe der Färbung in Prozent:

Farbprozent unter 0.5 0.5-1.0 1.0-3.0 über 3.0
Glaubersalz g/l Baumwolle: 10-20 20-30 30-60 60-80
Glaubersalz g/l Leinen:: 30 30-40 40-70 70-80

Das Salz wird in zwei oder mehr Portionen zugesetzt. Da die Färbeflotte sehr klein ist, muss es evtl. in einem entnommenen Teil der Flotte angerührt und so beigegeben werden, da sonst zu viel Wasser in die Flotte gelangt.

Alkalizusatz:
Flottenverhältnis über 1:10, Temperatur 60° C (Die Alkalimenge ist von der Temperatur abhängig!). Die Menge richtet sich nach der Gesamttiefe der Färbung in Prozent:

Farbprozent unter 0.5 0.5-1.0 1.0-3.0 über 3.0
Soda g/l Baumwolle: 2-3 3-4 4-6 6-10
Soda g/l Leinen:: 2.5-3.5 3.5-4.5 4.5-6.5 6.5-10.5

Färbeflotte:
1:10 - 1:20

Reaktivfarbstoffe reagieren mit den OH-Gruppen der Cellulose. Je grösser die Wassermenge (Farbflotte), desto grösser ist der Anteil an Farbstoff, der mit dem Wasser anstatt mit der Cellulose reagiert, d.h. desto heller fällt die Färbung aus. Daher ein möglichst kleines Flottenverhältnis wählen.

Hilfsmittel:

Name: Menge:
78055 Tinovetin JUN 0.1-0.5 g/l
Entlüftungsmittel, Penetrationsfördernd
Lyoprint PG 1 g/l bei Baumwolle
2 g/l bei Leinen
schwaches Oxidierungsmittel (verhindert Reduktion der Farbstoffe durch Schwermetalle, die in immer grösserem Ausmass in Baumwolle und Leinen vorhanden sind)
64221 Glaubersalz    siehe Tabelle
(Na2SO4), bewirkt eine Ladungsänderung der Textilfaser und verdrängt zugleich den Farbstoff aus dem Wasser auf die Faser
64060 Soda    siehe Tabelle
(Na2CO3), begünstigt Reaktion zwischen Farbstoff und Faser (Fixierphase)

Färbekurven für Baumwoll und Leinen bitte Anfragen

Während der Migrationsphase empfiehlt sich für Leinen die Temperatur von 80° C, weil der hohe Ligningehalt der Faser schlechte Migration und Durchfärbbarkeit bewirkt.

Vor der Sodazugabe (Fixierphase) muss die Temperatur auf 60° C gesenkt werden.

Für die gleiche Farbnuance wird bei Leinen gegenüber Baumwolle mehr Farbstoff benötigt.

Spühlen:
Wasser: enthärtet (max. 10° fH) oder entionisiert

Liste der verwendeten Farben und ihrer Lichtechtheit

Cibacron F-Farbstoff Lichtechtheit bei 1/1 RT:
345110 Cibacron Gelb F-4G grünlich 5 - 6
345120 Cibacron Gelb F-3R 5 - 6
345130 Cibacron Orange F-BR 7
345140 Cibacron Rot F-B 4 - 5
345150 Cibacron Blau F-R 6
345160 Cibacron Blau F-GFN 4 - 5

Die Lichtechtheit wird in Stufen 1 - 8 eingeteilt, wobei 1 die schlechteste Note ist.
RT = Richttyptiefe: eine visuelle Beurteilungsskala der Farbtiefe. 1/1 Richttyptiefe entspricht mitteldunklen Färbungen.
Je heller eine Färbung, desto geringer ist die Lichtechtheit; je dunkler desto besser.
Je heller eine Färbung, desto besser ist die Waschechtheit.

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