Den Krapp in möglichst kaltes weiches (neutral-enthärtetes) Wasser geben, das Sie vorher mit Essigsäure auf pH 4,5 gestellt haben. Ein geeignetes Netzmittel, das zu 100% biologisch abbaubar sein sollte, mit maximal 0,5% des Krappgewichtes zugeben. Den abgewogenen Krapp in das Wasser einrühren. Das dauert etwa eine halbe Stunde. Man muss nicht dauernd rühren, dies nur am Anfang.
Nach einer halben Stunde ist die Färbeflotte (Probegläschen entnehmen) dunkel braun-orange. Jetzt können Sie mit Ihrer nach dem Beizen perfekt mit hartem, kalten Wasser gewaschenen Ware eingehen. Dieser Schritt ist für die Qualität und die Ökonomie essentiell!
1 g Beizenmetall, das von der Ware heruntergewaschen wird, bindet 8,8 g Farbstoff zu einem wie extrem feinkörniger Schlamm verteilten Farblack, der in der Flotte bleibt. Ihre ausgewaschene Ware sollte gut ausgewrungen sein, damit nicht grosse Mengen harten Waschwassers das Krappbad verunreinigen.
Die Geschwindigkeit des Färbeprozesses hängt von den Variablen
Temperaturen
Bewegung der Flotte zur Faser oder umgekehrt
Zeitdauer
pH-Wert der Flotte (bei niedrigen pH-Werten langsamer, aber besser).
Für Krapp merken Sie sich bitte: je kälter und je länger desto besser! Auf keinen Fall sollten Sie guten Krapp oder Krappextrakt auf mehr als 55° C erwärmen. Dann wird ein wertvoller Farbstoff, das Pseudopurpurin (den es in pakistanischer Rubia cordifolia, die hier öfter auch als "Krapp" angeboten wird, aber nicht gibt) zerstört. Wenn Sie ganz kalt färben ist die Färbedauer mindestens 24 Stunden, bei 50° C reichen 1-2 Stunden. Achten Sie beim Färben immer darauf dass der pH-Wert niemals über 5,5 geht! Rechtzeitig vorher wenig Essigsäure nachstezen.
Nach dem Erkalten ist noch viel Farbstoff im Krapp. Sie können die überstehende Lösung ablassen (Abfall). Dann weichen Sie 5% der beim 1. Mal eingesetzten Krappmenge wie oben beschrieben in weichem, saurem Wasser ein, setzen diese Menge dem gebrauchten Bad zu und geben danach weiches, leicht saures Wasser dazu. Dann können Sie weiter färben. Solange ein Krappbad, auch nicht für 30 Sekunden, über pH 5,5 kommt färbt es wochenlang.
Nicht traurig sein: wenn der Krapp ausgelaugt ist hat immer noch mehr als genug Farbstoff. Den kriegt man aber dann mit normalerweise anwendbaren Verfahren nicht mehr heraus. Der Krapp-"Abfall" ist nur für Spezialisten.
Ein schönes Rot
Beizen:
man benutzt Alaun im Umfang von 30% des Wollgewichts. Zuerst wird Leitungswasser mit einigen Tropfen Essig angesäuert. Dann löst man eine Messerspitze Weinstein darin auf. Nun wird die abgewogene Menge Alaun im kalten angesäuerten Wasser vollständig aufgelöst. Das wird ein Weilchen dauern. Man gibt das Garn ein, erwärmt im Wasserbad (!) bis etwa 80°C und läßt das Garn im Beizbad abkühlen. Darin beläßt man es 3-4 Tage.
Es wird nun mit reichlich kaltem Leitungswasser mehrere Male ausgespült.
Färben: Eiskaltes Leitungswasser wird mit Essig angesäuert. Man wartet dann 15' und gibt einige Tropfen eines Netzmittels dazu.
Von gutem anatolischem Krapp wiegt 150% des Wollgewichts ab. Der Krapp wird ins Färbebad eingerührt. Es wird mindestens 5' dauern bis er hinreichend untersinkt. Nun wird das ausgewaschene und ausgedrückte Garn hinzu gegeben und des Öfteren vorsichtig bewegt. Dies ist besonders in der ersten Stunde wichtig.
Die Färbedauer beträgt 2 Tage und 2 Nächte. Danach wird das Garn einfach herausgenommen und getrocknet. Erst dann wird es in normalem Leitungswasser mehrere Male, gerne auch mit einem geeigneten Wollwaschmittel, ausgewaschen.
Resultat:
es sollte nach dem Waschen und Trocknen etwa so aussehen wie das Rot im Hintergrund. Das eher orangerot wirkende Stück Garn ist noch nicht gewaschen.
Die Färbung sollte, wenn man sie an einem sonnigen Tag im Schatten betrachtet, einen deutlich wahrnehmbaren bläulichen Schimmer aufweisen und sehr lebhaft sein.